Friday 18. October 2019
Taufberufung:

Predigtvorlage zum 3. Fastensonntag 2014 von Univ. Prof. Ewald Volgger

Liebe Schwestern und Brüder,

der dritte Sonntag in der Vorbereitungszeit auf Ostern steht ganz im Zeichen des Wassers. Wir bereiten uns in diesen Tagen gemeinsam mit allen, die in der Osternacht getauft werden, auf das Osterfest vor. In der Osternacht werden wir wieder unser Taufbekenntnis erneuern und bekräftigen, dass wir aus der Gemeinschaft mit Christus heraus dem Bösen absagen und es nach unserem Vermögen zu meiden suchen.

                                                                                                         

 

Die Sonntage der Vierzig-Tage-Zeit vor Ostern sind Schritte der Vorbereitung hin zu dieser ganzheitlichen Erneuerung aus der Beziehung mit Christus. Der erste Sonntag erinnert an den Herrn, der sich in die Wüste zurückzieht, um Kraft zu sammeln für seinen Lebensweg und den Auftrag, den er im Herzen spürt. Dabei wird er vom Bösen herausgefordert. Die Beziehung zu seinem Vater aber hilft ihm, sich nicht von seinen Grundsätzen und guten Absichten abbringen zu lassen. Das ist ein Bild für diejenigen, die in dieser Zeit ihr Augenmerk auf die Umkehr ihres Lebens richten.

Der zweite Sonntag erinnert an die Verklärung des Herrn. Die Jünger verstehen, wer Jesus ist und finden es gut, bei ihm zu bleiben. Die Samariterin am Brunnen begegnet Jesus, der sich ihr als das lebendige Wasser vorstellt. Wer Jesus begegnet, kann sich laben an der Quelle des Lebens, die reinigt, erfrischt und guten Mutes in die Zukunft gehen lässt. An der Quelle findet auch ein ermutigendes Gespräch statt. Jesus lässt sich ein und bewegt das Herz zu einem neuem Aufbruch hin. Am vierten Fastensonntag erinnert die Heilung des Blindgeborenen, dass allen Christinnen und Christen in der Taufe die Augen geöffnet werden. Daher sieht die Liturgie beim Kommunionempfang den Vers vor: „Der Herr salbte meine Augen: ich ging hin, wusch mich und wurde sehend und glaube an Gott.“ Der fünfte Sonntag stellt uns Lazarus vor Augen, der aus dem Schlaf des Todes genommen wird, nachdem er bereits drei Tage im Grab war. Seine Auferweckung lässt die Taufkandidatinnen und -kandidaten daran denken, dass sie rücklings in das Wassergrab gelegt und aufgetaucht werden hinein in das neue Leben mit Christus.  In dieser Zeichenhandlung nimmt die Taufe das neue bleibende Leben im Auferstandenen vorweg. Schließlich beginnen wir mit dem Palmsonntag bereits den Weg, der an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Die Menschen jubelten dem Herrn „Hosanna“ zu, das heißt „Bring doch Hilfe!“ und vertrauen so darauf, dass Gott in Jesus neue Zuwendung und neue Kraft schenken wird.

 

Mit diesem aufgezeigten Weg bereitet uns die Liturgie der Vierzig-Tage-Zeit auf das Osterfest vor, insbesondere auf die Osternacht, in der wir auf das Wort Gottes hören, das Licht des Lebens anzünden, um es neu in unseren Herzen zum Leuchten zu bringen, das Wasser segnen, um die Quelle des Lebens neu zu erfahren und sich zu ihr zu bekennen und schließlich am Mahl teilnehmen, um zu erkunden, wie gut und schön es ist, wenn Menschen im Miteinander „ein Stück Himmel auf Erden“ erleben.

Wer die Osternacht feiert, lässt sich ein auf das große Gedenken unseres Glaubens. Zuerst wird feierlich das Licht entzündet, um zu erinnern, wie Christus, der Herr, das Dunkel des Todes und der Sünde überwunden hat. Dann werden die Lesungen des Alten und Neuen Bundes gelesen, die uns die Heilsgeschichte in Erinnerung rufen und hinführen zur Auferstehungsbotschaft der Heiligen Schrift. Anschließend findet die Taufe statt und die Mitfeiernden erinnern sich ihrer eigenen Taufe.

 

Die Taufe ist es, die durch die Beziehung mit Christus in die Gemeinschaft der Kirche führt. Wer sich einlässt auf diese Gemeinschaft, will sie pflegen, ja „muss“ sie pflegen, weil sie sonst nicht lebendig bleiben würde. Die Liturgie ist ein besonderer Ort dieser Pflege der Beziehung mit Christus. Wenn das Zweite Vatikanische Konzil daran erinnert, dass die Getauften das Recht und die Pflicht haben, an der Liturgie teilzunehmen, dann ist damit gemeint, dass die Christusbeziehung Pflege braucht. Der sonntägliche oder auch wochentägliche Gottesdienst, lädt die Getauften ein, sich je neu in die Christusgemeinschaft zu begeben und im Hören des Wortes, im Bedenken und im Antworten die Beziehung im Glauben zu pflegen, damit Nachfolge und Gestaltung menschlicher Beziehungen dem Wort Jesu getreu gelingen.

 

Das Zweite Vatikanische Konzil hat bestätigt, dass sich das Verständnis der Liturgie im Laufe des 20. Jahrhundert verändert hat. Bereits im ausgehenden 19. Und dann aber in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts brechen einige Bewegungen auf, die der Kirche neuen Schwung gegeben haben. Die Arbeiter- und Sozialbewegung hat deutlich gemacht, dass das Wort Gottes Relevanz hat auch im industriellen Gepräge der Wirtschaft. Die Jugendbewegung hat verstanden, dass die Heilige Schrift jede und jeder lesen und sich dabei fragen kann, was dieses Wort für sie im Leben bedeutet. So haben die Jugendbewegung und die Bibelbewegung auch zur Überzeugung geführt, dass der Gottesdienst in der Muttersprache gefeiert werden solle, um so wirklich gemeinsam auf das Wort Gottes hören zu können, in ihrer Muttersprache Antwort geben zu können, miteinander zu beten und zu singen und so auch als Gemeinschaft vor Gott zum Ausdruck zu bringen, dass alle in derselben Weise berufen sind, Gottes Wort in die Welt zu tragen und im eigenen Leben zu verwirklichen.

 

Vor diesem Hintergrund ist die Überzeugung gewachsen, dass allen Gläubigen die aktive und bewusste Teilnahme am liturgischen Geschehen zu ermöglichen ist. Bereits Pius XII. hat 1947 in der Enzyklika Mediator Dei diese Überlegungen und Anliegen kirchenamtlich aufgegriffen und sie zum Prinzip liturgischen Handelns erklärt. Vor allem die nachfolgenden kirchenmusikalischen Dokumente haben das Anliegen weitergetragen, sodass das Zweite Vatikanische Konzil dann bestätigen konnte, dass die Zeit reif geworden war, allen Getauften Verantwortung für das Gestalten und Feiern der Liturgie zu geben, wo der Priester die Letztverantwortung wahrnimmt und dafür Sorge trägt, dass die Gemeinde lebendig und bewusst ihre Verantwortung für die Liturgie pflegt und die einzelnen liturgischen Dienste ausgeübt werden, damit auch die unterschiedlichen Charismen und Fähigkeiten, die Gott schenkt, im Gottesdienst deutlich werden.

 

Der erste und zentrale liturgische Dienst kommt demnach der ganzen Gemeinschaft zu; sie versammelt sich zur Feier und ist so Trägerin der Liturgie. Sie singt und betet, sie hört achtsam auf das Wort Gottes, verweilt in Stille, um im Herzen die Gottes- und Christusbeziehung zu pflegen, sie vollzieht die Symbol- und Handlungsvollzüge mit, sie hört auf die Auslegung und lässt sich anleiten, das Wort als „Mitbringsel“ für den Alltag aufzunehmen. Erst wenn Gemeinde versammelt ist, kann Liturgie sinnvoll gefeiert werden. Damit aber diese Feier auch mit allen ihren Möglichkeiten und Zielen gelingt, bringen verschiedene Gläubigen ihre besondere Bereitschaft, ihre besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften ein. So wird auch sichtbar, wie Gott den Menschen unterschiedlich befähigt und ausstattet.

Die ordinierten und die beauftragten Getauften – Priester, Diakone, Wort-Gottes-Feier-Leitende, Leitende der Tagzeitenliturgie – sorgen dafür, dass liturgisches Feiern gut geleitet wird und das Wort Gottes auch auf das Leben der Menschen hin ausgelegt wird. Wenn dies gelingt, wird menschliches Leben mit allen seinen Erfahrungen vom Glauben her gedeutet.

Die Lektorinnen und Lektoren lesen das Wort Gottes vor und sind so sein „Sprachrohr“. Daher bemühen sie sich, zuerst diese Texte selbst gut zu verstehen, sie wirklich zu verinnerlichen, um sie den anderen Gläubigen möglichst gut vortragen zu können. Dazu braucht es möglicherweise auch Hilfe und Ausbildung. Während das Wort Gottes vorgetragen wird, ist auch der Priester ein Hörender, wie alle Getauften.

Wer singen oder musizieren kann, wird seine Begabung zuerst dort zum Ausdruck bringen wollen, wo er Gott besonders danken kann: im Gottesdienst. Wäre dem immer so, dann bräuchten vermutlich manche Verantwortliche der Liturgie nicht lange suchen, wo Kantoren und Kantorinnen bleiben. Alle musikalischen Aufgaben, Gesang, Orgel, Instrumente, Chor, sind ein wahrhaft liturgischer Dienst. Die Musik ist die höchste der Künste und hilft, das Wort Gottes und den Glauben besser, tiefer, angemessener auszudrücken und die Stimmungen des Lebens entsprechend auszudrücken.

Wenn bei der Eucharistiefeier die Kommunionausteilung längere Zeit in Anspruch nimmt, dann helfen außerordentliche KommunionhelferInnen, die Kommunion auszuteilen. Wer die Beauftragung dazu erhält, kann aber auch die Kommunion zu den Kranken und all jenen Menschen tragen, die nicht zum Gottesdienst in die Gemeinde kommen können. Dies ist ein wertvoller Dienst für die Stärkung dieser Gläubigen und zugleich für die Verbundenheit mit der Gemeinde in Christus.

Die Ministranten und Ministrantinnen haben vielfältige Aufgaben, die nicht nur von Kindern wahrgenommen werden können. Sie gestalten die Prozessionen mit den Zeichen des Kreuzes, des Lichtes und des Weihrauchs, sie gestalten die Gabenbereitung mit, sie helfen bei anderen liturgischen Symbolhandlungen und sie geben dem Gottesdienst auch durch ihr Dasein und ihre Kleidung ein feierliches Gepräge. Durch ihre Bereitschaft der ständigen Übung dieses Dienstes, sind sie den anderen liturgischen Diensten ein Vorbild und sie sind eine Freude für die ganze feiernde Gemeinde.

Die vielfältigen liturgischen Dienste sind spätestens seit dem Kirchlichen Rechtsbuch von 1983 beiden Geschlechtern in gleicher Weise offen. Das gilt auch für die Mesnerinnen und Mesner, für alle, die den Kirchenraum instand und sauber halten und für alle, die während des Gottesdienstes dafür Sorge tragen, dass alles geordnet und der Vorbereitung gemäß stattfinden kann.

 

Wer also getauft ist und die Beziehung mit Jesus, dem auferstandenen Christus, im Herzen trägt, ist eingeladen, sich gegebenenfalls auch mit seinen besonderen Fähigkeiten im Gottesdienst einzubringen. So werden menschliche Fähigkeiten zum Charisma für die feiernde Gemeinde.

Wer so handelt, der bezeugt, dass er Christus als das lebendige Wasser kennengelernt hat, der für ihn Quelle ist und bleibt.

Wer so handelt gibt der Würde seiner Taufberufung – die in der Feier der Osternacht ihre höchste Aufgipfelung erfährt – einen lebendigen Ausdruck. Liturgie wird so als ein „ein Stück Himmel auf Erden“ lebendig, für die alle Getauften Sorge tragen.

 

http://lebenszeichen.dioezese-linz.at/
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